Wer regelmäßig Handbücher, Webseiten oder Verträge in mehrere Sprachen bringt, kennt das Problem: Begriffe weichen voneinander ab, Sätze wiederholen sich, und jede Änderung kostet Zeit. CAT-Werkzeuge lösen genau diese Probleme. Sie unterstützen Übersetzende, ersetzen sie aber nicht. Dieser Beitrag erklärt, wie die Technik funktioniert und wie Sie sie sinnvoll einsetzen.

Was CAT bedeutet

CAT steht für computergestützte Übersetzung. Gemeint ist keine Maschinenübersetzung, sondern eine Arbeitsumgebung, in der Menschen übersetzen und die Software ihnen zuarbeitet.

Die Übersetzung bleibt Handarbeit, die Technik sorgt für Ordnung und Wiederverwendung.

Der Übersetzungsspeicher

Jeder übersetzte Satz wird mit seinem Original gespeichert. Taucht derselbe oder ein ähnlicher Satz später wieder auf, schlägt das Programm die frühere Fassung vor.

Das spart Zeit und sorgt dafür, dass gleiche Aussagen immer gleich übersetzt werden. Bei Produkthandbüchern ist das ein großer Vorteil.

Terminologiedatenbanken

Neben ganzen Sätzen verwaltet die Software einzelne Fachbegriffe samt Definition und erlaubter Übersetzung. Verbotene Varianten lassen sich markieren.

Informationen zu Terminologiearbeit und Normen bietet der Deutsche Terminologie-Tag.

Wie Übersetzende arbeiten

Der Text wird in Segmente zerlegt, meist Sätze. Links steht das Original, rechts die Übersetzung, und darunter erscheinen Treffer aus Speicher und Glossar.

Wie diese Programme im Alltag eingesetzt werden und welche Funktionen sie bieten, erklärt der Beitrag über CAT-Werkzeuge ausführlich.

Qualitätsprüfung eingebaut

Die Werkzeuge prüfen automatisch auf fehlende Zahlen, doppelte Leerzeichen, abweichende Schreibweisen und nicht übersetzte Segmente. Viele Fehler fallen so schon während der Arbeit auf.

Eine menschliche Korrektur bleibt trotzdem unverzichtbar, denn Sinn und Stil kann keine Prüfung erkennen.

Vorteile für Unternehmen

Wer oft ähnliche Texte übersetzen lässt, zahlt für wiederholte Sätze weniger. Außerdem verkürzen sich Lieferzeiten, und die Qualität wird gleichmäßiger.

Bei Firmen mit mehreren Sprachen sinkt der Abstimmungsaufwand, weil alle auf derselben Grundlage arbeiten.

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein Maschinenbauer pflegt ein Handbuch mit 300 Seiten, das jedes Jahr leicht geändert wird. Dank Speicher müssen nur neue oder geänderte Sätze übersetzt werden.

Für Kunden in Frankreich genügt dann eine Deutsch-Französisch Übersetzung der Änderungen, die schnell geliefert wird.

Datenschutz und Datenhoheit

Übersetzungsspeicher enthalten oft vertrauliche Inhalte. Klären Sie, wem die Daten gehören, wo sie liegen und was beim Anbieterwechsel passiert.

Sie sollten Ihren Speicher jederzeit in einem gängigen Format exportieren können.

Daten pflegen statt anhäufen

Ein Speicher mit fehlerhaften Einträgen verbreitet Fehler weiter. Prüfen Sie ihn regelmäßig, löschen Sie veraltete Segmente und korrigieren Sie falsche Begriffe.

Eine zuständige Person für Terminologie hält die Datenbasis sauber und aktuell.

Grenzen der Technik

Bei kreativen Texten wie Werbung oder Literatur helfen Speicher nur begrenzt, denn jede Formulierung muss neu überlegt werden.

Auch stark wechselnde Dokumente profitieren weniger, weil kaum Wiederholungen auftreten.

Zusammenspiel mit maschineller Übersetzung

Viele Systeme binden Maschinenübersetzung ein, die Vorschläge liefert, wenn der Speicher keinen Treffer hat. Die Übersetzenden prüfen und verbessern diese Vorschläge.

So verbinden sich Geschwindigkeit und Qualität, solange ein Mensch das letzte Wort behält.

Einführung im Unternehmen

Starten Sie mit einem Pilotprojekt, etwa einer Produktlinie. Legen Sie Zuständigkeiten, Dateiformate und Freigabewege fest und schulen Sie die Beteiligten.

Messen Sie nach drei Monaten, wie viel Zeit und Geld Sie gespart haben und welche Fehler verschwunden sind.

Auswahl des Dienstleisters

Fragen Sie, welche Werkzeuge der Anbieter nutzt, ob er Ihre Speicher übernimmt und wie er Terminologie pflegt.

Ein guter Partner erklärt Ihnen die Vorteile ohne Fachchinesisch und zeigt Beispiele aus früheren Projekten.

Dateiformate und Kompatibilität

Die meisten Werkzeuge verarbeiten Word, Excel, PowerPoint, InDesign und Webformate. Klären Sie vorab, welche Formate Sie liefern und welche Sie zurückerhalten möchten.

Offene Austauschformate wie TMX und XLIFF erleichtern den Wechsel zwischen Programmen und Anbietern.

Webseiten und Software übersetzen

Für Online-Shops und Apps lassen sich Texte direkt aus dem System abrufen und nach der Übersetzung wieder einspielen. Das vermeidet Kopierfehler und spart manuelle Arbeit.

Planen Sie Prüfschleifen in der echten Umgebung ein, denn Textlängen und Umbrüche wirken sich auf das Layout aus.

Zusammenarbeit im Team

Mehrere Übersetzende können gleichzeitig am selben Projekt arbeiten, ohne sich zu stören. Der gemeinsame Speicher sorgt dafür, dass alle auf dieselben Begriffe zugreifen.

Eine zentrale Projektleitung verteilt Aufgaben, setzt Fristen und beantwortet Rückfragen.

Kostenmodelle verstehen

Viele Anbieter staffeln den Preis nach Trefferquote im Speicher. Exakte Treffer kosten wenig, ähnliche Treffer etwas mehr, neue Sätze den vollen Preis.

Lassen Sie sich diese Staffelung erklären und fordern Sie eine Analyse Ihres Textes an, bevor Sie den Auftrag erteilen.

Schulung für Redakteure

Wer die Ausgangstexte schreibt, beeinflusst die Übersetzung stark. Kurze, klare Sätze und einheitliche Begriffe erhöhen die Trefferquote und senken die Kosten.

Ein kleiner Schreibleitfaden für Autoren zahlt sich schnell aus.

Wann sich der Aufwand lohnt

Der größte Nutzen entsteht bei Texten mit vielen Wiederholungen, bei regelmäßigen Aktualisierungen und bei mehreren Zielsprachen. Für einen einmaligen, kurzen Brief lohnt sich der Aufbau nicht.

Erste Schritte im eigenen Haus

Sammeln Sie bestehende Übersetzungen und Glossare an einem Ort und geben Sie sie Ihrem Dienstleister. Schon dieses Material erhöht die Trefferquote erheblich.

Benennen Sie eine Ansprechperson, die Rückfragen klärt und Änderungen freigibt.

Langfristig profitieren

Je länger Sie mit gepflegten Speichern arbeiten, desto größer wird der Nutzen. Jede Übersetzung macht die nächste einfacher.

So entsteht ein Schatz an geprüften Formulierungen, der die Marke in allen Sprachen stärkt.